Aleppo, Obergrenze und Familiennachzug

Liebe zeitkritische Geister in kritischer Zeit.

Ich muss noch einmal auf meinen letzten Brief „Aleppo und Syrien im Aufbau“ zurückkommen. Ich bitte Sie, ihn nochmals zu lesen. Gerade bekomme ich nämlich einen aktuellen Bericht mit aktuellen Bildern vom Aufbau und vom Leben Aleppos zugeschickt. Warum eigentlich werden solche Berichte und Bilder von Aufbau und Neubeginn nicht in den öffentlichen Medien gedruckt und gezeigt? Warum berichtete man uns nur sehr selten z. B. vom größten Teil Aleppos, in welchem das Leben normal verlief? Das gilt auch für Damaskus und andere Städten und Gegenden.

Einerseits bin ich erfreut über den positiven und objektiven Bericht. Andererseits jedoch bin ich verärgert und entsetzt darüber, dass bei uns Politiker und Kirchenleute unter dem Mäntelchen der Nächstenliebe sogar den Familiennachzug fordern und eine Obergrenze ablehnen. In meinen Augen ist es schlimm, dass die deutschen öffentlichen TV-Medien und die großen Zeitungen ein Bild von Syrien malten und malen, welches die Wirklichkeit nur zu einem geringen Teil wiedergibt. Wie der Bericht dokumentiert, war auch in der Vergangenheit nur ein geringer Teil z. B. der Stadt Aleppos Kriegsgebiet mit Trümmern, Tränen und Toten. Bei vielen Berichten in ARD und ZDF hatte ich übrigens oftmals den Eindruck, dass ich das furchtbare Bildmaterial doch schon am Vortag gesehen hatte. Wer hat da eigentlich ein Interesse?

Im letzten Jahr wurde der Weltjugendtag zusammen mit Papst Franziskus in Krakau gefeiert. Ich erinnere mich, dass die Feierlichkeiten in eine große überfüllte Kirche in Aleppo life übertragen wurden, wo tausend Jugendliche mitsangen, mitfeierten und mitbeteten. Damals fragte ich mich schon, wieso die öffentlichen Medien nur furchtbare Bilder bringen während doch offensichtlich der größte Teil Aleppos friedlich lebt.

Warum schreibe ich dies? Meiner festen Überzeugung nach machen sich Politiker und Kirchenleute schuldig an der Zukunft des Nahen Ostens, wenn Sie aus offensichtlich wirtschaftlichen Gründen weiterhin mit Millionen (Milliarden?) deutscher Steuergelder eine finanzielle Willkommenskultur fördern und dagegen sehr zögerlich sind, eine Kultur der Heimkehr z. B. syrischer Flüchtlinge finanziell zu unterstützen. Eine Kultur der Heimkehr würde nach Berechnungen von Wirtschaftswissenschaftlern nur einen Bruchteil jener Kosten betragen, welche für jahrelange Integrationsmaßnamen aufgewendet werden müssen. Damit kein Missverständnis entsteht: Eine Kultur der Heimkehr hat überhaupt nichts mit Abschiebung zu tun!

Wer als Politiker bei Pressekonferenzen und in den Medien sowie als Pfarrer und Bischof von den Kanzeln sogar für einen Familiennachzug (4 – 6 Personen) plädiert, überlässt einen Neubeginn jenen, welche in der Heimat zurückbleiben sowie kopfschüttelnd zerstörte Stadtteile oder verwüstete Dörfer alleine aufzubauen bereit sind.

Immer wieder lese ich z.B. von Bischöfen aus Syrien und dem Irak, welche die Christen bitten, ihre Heimat nicht zu verlassen. Darüber hinaus erhalte ich aktuell eine Nachricht von der „Christian Solidarity International“ (CSI). Diese christliche Menschenrechtsorganisation berichtet aus Aleppo, dass der dortige Erzbischof Jeanbart ausdrücklich die Flüchtlinge bittet, aus Deutschland und Europa in die Heimat Syrien zurückzukehren ! Ich wünsche den deutschen Kardinälen und Bischöfen sowie den evangelischen Kirchenoberen, dass sie nicht mehr dem politischen Zeitgeist huldigen sondern das Anliegen Ihrer Kollegen aus dem nahen Osten und anderswo öffentlich vertreten und die Kultur der Heimreise finanziell fördern.

Mit freundlichem Gruß
Wilfried Puhl-Schmidt

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