Abschiebung oder Heimreise?

Liebe zeitkritische Geister in kritischer Zeit.

Von „Abschiebung“ lese und höre ich in den Medien sowie von „Abschiebezentren“ und teilweise von „Abschiebemaschinen“. Ich wehre mich gegen diese negativ besetzten Begriffe. Warum? In meinen Augen sollten die Medien unserer Aufnahmegesellschaft den Asylbewerber daran erinnern, den Gedanken und die Gefühle eine zukünftige Mitarbeit am Aufbau ihrer Heimat nicht zu vergessen. Das hat nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun sondern mit globaler Verantwortung! Der Ruf nach einem Einwanderungsgesetz droht letztlich, ganze Landstriche im Nahen Osten menschenleer und öde zu machen.

Vor gut drei Jahren besuchte ich eine Veranstaltung christlicher Flüchtlingshelfer. Neben anderen war auch ein Zahnarzt eingeladen, der aus Syrien geflüchtet war. Er berichtete mit Hilfe eines Dolmetschers von den Gründen seiner Flucht. Die Zuhörer waren ergriffen und wollten dem Zahnarzt helfen, sich in Deutschland eine neue Existenz aufzubauen. Ich fragte ihn, wer denn nun die Patienten in seiner syrischen Praxis versorge. Der Moderator des Abends ließ meine Frage nicht übersetzen mit dem Hinweis, dass die Anwesenden einen Beitrag leisten möchten für die Zukunft des Zahnarztes in Deutschland. Meine Frage sei nicht aktuell. Das Raunen im Saal zeigte mir, wohl die falsche Frage gestellt zu haben.

Dass ich jedoch letztlich genau den Punkt getroffen hatte und habe, las ich wochenlang in den Augen jener Ärzte, welche mit blutverschmierten Kitteln in halb zerstörten Kliniken Aleppos ihre Pflicht erfüllten. Fragten sie nicht schweigend nach ihren Kollegen, die nach Deutschland geflüchtet waren, um sich aus freilich verständlichen Gründen eine sichere und wohl auch lukrative Existenz aufzubauen? Freuen sich möglicherweise Kommunalpolitiker und Ärzteorganisationen über geflüchtete Ärzte, die nach entsprechender Fortbildung den Ärztemangel in Deutschland ausgleichen könnten? Man stelle sich übrigens vor, dass Ärzte aus umkämpften Städten und Kliniken nach Deutschland fliehen, während „Ärzte ohne Grenzen“ aus Deutschland sich z.B. nach Aleppo auf den Weg machen?

Schlimm ist es in meinen Augen auch, dass Politiker und Flüchtlingsorganisationen Flüchtlinge in der Altenpflege ausbilden möchten, da bei uns ja ein Mangel bestünde! Bilden wir nicht für unsere nationalen Zwecke Menschen aus, die in ihrer teilweise am Boden liegenden Heimat einmal wieder dringend gebraucht werden? Viele Berufsgruppen könnte man nennen, welche bei uns für Berufe in unserer egoistischen Industriegesellschaft ausgebildet werden und gerade am Aufbau ihres Heimatlandes mitarbeiten müssten, wenn dies wieder möglich sein wird. Weitsichtige Kirchen und Politiker sollten über den Tellerrand deutsch-nationaler Interessen hinaus schauen!

In diesem Zusammenhang möchte ich ausdrücklich den Imam der Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem zu Wort kommen lassen. Imam Mohammed Ayed warf bereits im September 2015 in einer erregten Predigt den westlichen Staaten „geheuchelte Moral“ vor. Flüchtlinge würden nicht aus Mitgefühl und Nächstenliebe aufgenommen sondern vielmehr „wegen wirtschaftlicher Zwänge und wegen des Bedarfs an menschlichem Nachschub in die Fabriken“.

Doch geht es dem Imam der Al-Aqsa-Moschee nicht allein um eine beklagenswerte Heuchelei des Westens. Vielmehr fordert Mohammed Ayed die Deutschen unverhohlen auf, Flüchtlinge weiter aufzunehmen. Sie würden in Europa „zu einem Kalifat versammelt“. Juden und Christen würden „niedergetrampelt“.

Mit nachdenklichem Gruß
Wilfried Puhl-Schmidt

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