Magdi Allam

Liebe zeitkritische Geister in kritischer Zeit.

In meinem letzten Brief hatte ich einige kritische Sätze zu den peinlichen Äußerungen des Papstes über den Islam geschrieben. Immer wieder muss ich beklagen, dass er ganz im Sinne des politischen Zeitgeistes wesentliche Inhalte der islamischen Theologie und somit auch des Glaubens der Muslime bei seinen Reden ausblendet. Ich würde mich freuen, wenn Sie den bitteren Brief der Ex-Muslime in der internationalen Unterschriftenaktion gelesen hätten. Vor allem orientalische Christen aus dem nahen Osten sowie christliche Exmuslime hatten in ihrem Schreiben dem Papst Blauäugigkeit und Unkenntnis des Islam vorgeworfen.

Es macht in der Tat schon sehr nachdenklich, dass der Papst bei seiner Asienreise unter Tränen ausdrücklich nur zu den muslimischen Flüchtlingen der Rohingya sprach und nicht auch von der Vertreibung der Hindus, Buddhisten und Christen aus demselben Land! Unter den kritischen Unterzeichnern des Briefes an den Papst sind übrigens mit Sicherheit auch frühere muslimische Koranexegeten und ehemalige Imame.

Bodo Bost, der als Journalist der PAZ die Auslandsreisen des Papstes verfolgt, berichtete in diesem Zusammenhang, dass der Papst dort zumeist die muslimischen Flüchtlinge erwähnt und nicht die christlichen Flüchtlinge, welche weltweit doch am meisten verfolgt würden wie mehrere Studien es belegten. Sogar die Bundeskanzlerin hatte übrigens vor einiger Zeit gesagt, dass das Christentum die am meisten verfolgte Religion sei.

Lassen Sie mich nun von einem Ex-Moslem schreiben, welcher bereits als kritischer Moslem bedroht wurde und bis heute unter Polizeischutz steht. Es ist Magdi Allam, welcher die Aussagen des Papstes beklagt, Muslime würden „den einen, lebendigen und barmherzigen Gott“ anbeten. Als Autor wurde Magdi Allam unter anderem dadurch bekannt, dass er den Islam nicht als eine Religion sondern als eine gewaltbereite Ideologie vergleichbar dem Faschismus und Kommunismus einstufte.

Geboren wurde Magdi Allam als Moslem in Kairo und studierte später Soziologie in Italien. Er beschäftigte sich seit früher Jugend sehr kritisch mit der Theologie seiner Religion sowie mit dem realistischen Islam in Geschichte und Gegenwart. Er wurde stellvertretender Chefredakteur der italienischen Tageszeitung „Corriere de la Sera“. Noch als Moslem veröffentlichte er Islam-kritische Artikel in dieser Zeitung. Insbesondere wegen seiner Veröffentlichung mit dem Titel „Die neuen Katakomben der Konvertiten“ über die Ängste von Muslimen, welche zum Christentum übertreten. Verfolgung und Morddrohungen folgten. Eine Escorte von Carabinieri begleitete ihn ständig.

Seine intensive Beschäftigung mit dem christlichen Glauben und der katholischen Kirche führte ihn in der Osternacht 2008 im Petersdom zur Taufe. Seit damals trägt er den Namen „Magdi Christiano Allam“. Natürlich kritisierten Muslime lautstark Papst Benedikt XVI, welcher ihn durch die Taufe in die Kirche aufgenommen hatte. Als Magdi Christiano Allam später ins Europaparlament gewählt wurde, musste er auch innerhalb der Parlamentsgebäude ständig von mehreren Bodyguards begleitet werden!

Noch immer bewahre ich Zitate aus mehreren langen Interviews auf, welche er im März 2008 der Tageszeitung „Die Welt“ gab. Insbesondere das folgende Zitat hat mich berührt, da es letztlich die Frucht einer langen Suche und eines langen Ringens ist sowie Teil einer intensiven Kurzfassung christlicher Glaubensgewissheit. Sein Zeugnis der Bekehrung fasste er u.a. in folgende Worte, die er einige Tage nach seiner Taufe in der Osternacht einem Journalisten in die Feder sprach:

„…das Wunder der Auferstehung hat sich in meiner Seele widergespiegelt. Es hat sie befreit von dem Dunkel einer Predigt des Hasses und der Intoleranz gegenüber dem „Anderen“, die unkritisch jeden „Feind“ verurteilt. Das Wunder der Auferstehung hat mich zur Liebe und dem Respekt gegenüber dem „Nächsten“ geführt, der immer auch „Person“ ist. So hat sich mein Geist befreit vom Dunkel einer Ideologie, die Lüge und Heuchelei legitimiert, den gewaltsamen Tod, der zu Mord und Selbstmord verführt, die blinde Unterwerfung und die Tyrannei, und ich konnte der authentischen Religion der Wahrheit, des Lebens und der Freiheit beitreten. An meinem ersten Ostern als Christ habe ich nicht nur Jesus Christus entdeckt, ich habe zum ersten Mal den wahren und einzigen Gott entdeckt, den Gott des Glaubens und der Vernunft… Ich weiß, gegen was ich antrete, aber ich erwarte mein Schicksal erhobenen Hauptes, mit geradem Rücken und mit der inneren Zuversicht dessen, der die Sicherheit des eigenen Glaubens hat“.

Ich würde mir wünschen, dass Papst Franziskus ein solches Glaubenszeugnis in seine Osterpredigt 2018 einbeziehen würde. Aber dies passt freilich nicht in sein Denken und auch nicht in seine Auffassung von Dialog. Dabei wären gerade die Glaubenszeugnisse verfolgter Ex-Muslime eine wichtige Grundlage für den Dialog. Es ist mir nicht bekannt, dass der Papst verfolgte Ex-Muslime in einer Audienz begrüßte und mit ihnen sprach. Es versteht sich leider von selbst, dass Magdi Christiano Allam sich von Papst Franziskus innerlich entfernte und die katholische Kirche verlassen hat.

Mit nachdenklichem Gruß
Wilfried Puhl-Schmidt

1 Antwort

  1. Lieber journalistischer Freund

    Seit langem lese ich mit großem Interesse Ihre Mails. Es ist mir ein Anliegen, Sie in Ihrer Tätigkeit zu bestärken und Ihnen dafür zu danken. Als wertvolle Informationsquelle für eigene Veröffentlichungen habe ich Ihren Artikel in meinem Archiv gespeichert und die folgende Überschrift verwendet: „Der Moslem-Papst“.

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